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Eltern und Leistungsdruck

Leistungsdruck ist per se nicht schädlich oder förderlich. Es kommt immer drauf an, wie jemand damit umgeht. Wenn vom Erreichen eines Leistungszieles die Wertschätzung der eigenen Person abhängt, und in der Folge von Niederlagen depressive Episoden einsetzen, dann sollten die Alarmglocken läuten. Demgegenüber ist ein „gesundes“ Leistungsmotiv dann gegeben, wenn Fehler gemacht werden dürfen und Niederlagen zum Spiel der Weiterentwicklung gehören.



Aber welche Rolle spielen die Eltern bei der Entwicklung eines gesunden Leistungsmotivs?



Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für ihr Kind, ihr Modell zu denken und zu handeln wird übernommen, auch wenn das von außen nicht immer sichtbar wird. Wenn ich (ich arbeite in 2 Sportschulen Südtirols als Sportpsychologe) mit Eltern von Athleten rede, dann höre ich eigentlich immer, dass ihre Kinder selbstverständlich verlieren dürfen, selbstverständlich Fehler machen dürfen und sie auch vom aktiven Sport zurücktreten dürfen. Sie versuchen also, und ich nehme den Eltern das auch ab, den Jugendlichen den „ungesunden“ Leistungsdruck zu nehmen.

Aber kann das funktionieren, wenn sie selber in einer Leistungsgesellschaft groß geworden sind, wo Erfolg über alles steht. Oder ist es nicht vielmehr so, dass viele Eltern das Problem zwar erkannt haben, aber aus ihrer Haut nicht herauskommen. Nur so ist es zu erklären, dass Athleten/innen von der Körpersprache ihrer Eltern sprechen, die ihnen signalisiert, dass die Niederlage, der dumme Fehler nicht passieren darf. Ja, dass nun endlich Erfolge kommen müssen.


Wie können Eltern dazu beitragen, dass ihre Kinder ein „GESUNDES“ Leistungsmotiv entwickeln?


Liebe Eltern, hier einige Tipps:

  1. Setzt euch mit eurem eigenen Leistungsdenken auseinander. Fühlt ihr euch auch nur dann Ok, wenn ihr Erfolg habt? Wenn das so ist, sprecht in eurer Partnerschaft, mit Freunden oder Fachleuten offen darüber und beginnt damit, schlechte Denk- und Handlungsgewohnheiten zu hinterfragen bzw. zu verändern.

  2. Schaut darauf, dass euer Kind bei der Ausübung eines Wettkampfsportes vor allem Spaß hat. Der darf nicht zu kurz kommen.

  3. Kommt euer Kind nach einem Wettkampf nach Hause, dann bitte fragt nicht gleich nach dem Ergebnis. Fragt ob der Wettkampf, das Spiel Spaß gemacht hat. Was heute nicht so gut gelungen ist und was gut.

  4. Redet mit Trainern, Betreuern über dieses Thema, wenn sie euer Kind zu viel unter Druck setzen. Ist eure Aufgabe!

  5. Fordert von eurem Sportverein eine Vereinsphilosophie, die ein „gesundes Leistungsmotiv“ fördert.



Author:

Martin Volgger


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